#001 – Wenn die Welt grau wird
- Fabian Kasper
- 31. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Sept. 2025

Für mich wurden Depressionen um das Jahr 2020/2021 wirklich greifbar. Damals fühlte ich mich oft machtlos und hilflos. Ich zog mich sozial und körperlich immer mehr zurück, obwohl ich eigentlich Menschen an meiner Seite hatte, mit denen ich hätte sprechen können. Doch der Mut, das wirklich auszusprechen, fehlte mir lange.
Stattdessen blieb dieses ständige Gefühl, als würde sich eine Grippe anbahnen – begleitet von Trauer, Selbsthass und Selbstzweifeln, die kaum nachließen.Im Nachhinein wurde mir klar, dass die Depression mich schon Jahre vor ihrem „großen“ Ausbruch beeinflusst hatte. Lange habe ich mich dagegen gesperrt, doch als ich schließlich beim Therapeuten saß und er mir das damalige Krankheitsbild beschrieb, bekam mein Leiden endlich einen Namen. Der Wunsch, gesund zu werden, wurde irgendwann stärker als alle Zweifel – ein Punkt, den ich nur mit viel Zeit, Unterstützung meiner Frau und der Hilfe von Ärzt*innen erreichen konnte.
Früher hätte ich all das einfach als Müdigkeit und Lethargie abgetan. Heute weiß ich: Depression kann jeden treffen, selbst wenn man glaubt, es fehlt einem an nichts.Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die weit über ein Stimmungstief hinausgeht. Während wir alle mal traurig oder erschöpft sind, bedeutet eine Depression, dass diese Gefühle über Wochen oder Monate anhalten und das Leben massiv beeinträchtigen.Typische Symptome sind: anhaltende Traurigkeit, Interessen- und Freudverlust, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Schlaf- oder Appetitstörungen, Konzentrationsprobleme und negative Gedanken bis hin zu Schuld- und Wertlosigkeitsgefühlen.
Eine Depression kann leicht, mittel oder schwer verlaufen. Manche erleben nur eine Episode, andere kämpfen über Jahre mit wiederkehrenden Phasen. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sie sich oft durch Gereiztheit oder Rückzug, bei Erwachsenen häufiger durch Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Wichtig ist: Symptome müssen ernst genommen werden und dürfen nicht als „schlechte Laune“ abgetan werden.Die Ursachen sind vielfältig: biologisch (z. B. genetische Veranlagung, Veränderungen im Gehirnstoffwechsel), psychologisch (z. B. belastende Erfahrungen, Traumata, Persönlichkeit) und sozial (z. B. Stress, Überlastung, Isolation). Meist wirkt nicht eine einzige Ursache, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, kommen mir viele schöne Gedanken.
Ich denke zuerst an die Menschen, die mir geholfen haben, die mir zugehört und mir Halt und Rat gegeben haben. Gerade in den extremen Phasen war das eine große Stütze. Früher war ich zwar nach außen hin laut, innerlich aber zurückgezogen und unzufrieden mit mir selbst. Heute ist das anders: Ich fühle mich in dem, was ich bin, und wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich Positives statt Negatives.Besonders geholfen haben mir meine Klinikaufenthalte und die vielen Gespräche mit meiner Frau – manchmal bis spät in die Nacht, in denen sie mir neue Wege aufgezeigt hat. Wenn ich zurückblicke, spüre ich gemischte Gefühle: Freude über die Unterstützung, Wut über ein System, das zu langsam funktioniert und mich wie so viele zwei Jahre auf einen Therapieplatz warten ließ, Trauer über die Person, die ich damals war – und gleichzeitig Stolz auf das, was ich seitdem erreicht habe. Was ich mir in dieser Zeit oft gewünscht hätte, war mehr Verständnis. Auch wenn sich die Gesellschaft in den letzten Jahren weiterentwickelt hat, bin ich immer wieder auf Unverständnis gestoßen – ob am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld.Meine Ausbildung habe ich damals gerade so geschafft.
Danach habe ich über drei Jahre in zwei verschiedenen Firmen gearbeitet, bis ich gemerkt habe, dass ich eine Veränderung brauche. In meinen Beziehungen und Freundschaften spielt das Thema Depression immer wieder eine Rolle, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich reden möchte, ist auch jemand da – aber es ist kein Dauerthema, das ständig zwischen uns steht.Besonders schwer waren für mich ganz alltägliche Dinge: einkaufen, arbeiten, oder Aktivitäten draußen, wenn zu viele Menschen dabei waren. Mein Umfeld hat die Auswirkungen vor allem an meinem sozialen Rückzug bemerkt – ich habe Einladungen nicht mehr angenommen und bin teilweise nicht einmal mehr zu Geburtstagen gegangen. Oft waren es Ängste und Selbstzweifel, die mich davon abgehalten haben, das Haus zu verlassen.Geholfen hat mir vor allem das Reden – mit meiner Familie, mit Freund*innen, aber vor allem mit Ärzt*innen und Therapeut*innen. Der wichtigste Halt war dabei meine Frau, die mich über die ganze Zeit begleitet und gestützt hat.Es gibt viele Strategien, die man ausprobieren kann. Manche funktionieren bei einigen, andere nicht – den eigenen Weg zu finden ist entscheidend.
Für mich waren es vor allem kleine Schritte zurück ins Leben, die mir geholfen haben: erst gemeinsam einkaufen mit Kopfhörern, später ohne, aber zu zweit. Solche Babysteps haben mir gezeigt, dass Veränderung möglich ist.Professionelle Hilfe habe ich bei Therapeut*innen, meinem Hausarzt, über Hotlines und die „Nummer gegen Kummer“ gefunden. Auch wenn es oft Geduld erfordert hat, waren diese Stellen wichtige Ankerpunkte.Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Stärke. Redet darüber, und wenn es zunächst nur mit den Eltern oder dem Partner ist. Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass es immer jemanden gibt, der dir die Hand reicht, egal wie tief das Loch auch scheint.Heute habe ich einen gesunden Abstand zur Depression. Natürlich gibt es einzelne Tage, an denen ich in alte Muster falle, aber insgesamt arbeite ich kontinuierlich an mir und gewinne Schritt für Schritt mehr Stabilität.Gesellschaftlich wünsche ich mir, dass noch mehr über die Symptome gesprochen wird und auch über die Begleiterkrankungen, die oft mit einer Depression verbunden sind – wie Panikattacken oder Angststörungen.
Ich möchte, dass alle, die diesen Text lesen, mit dem Gefühl zurückbleiben: Du bist nicht allein. Es gibt Hilfe, und es gibt Wege, die dich wieder zurück ins Leben führen.✨
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