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#002 – Mehr als nur schlechte Laune

  • Fabian Kasper
  • 7. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Sept. 2025



Wenn es um Depression geht, habe ich selbst viele Mythen und Vorurteile gehört: „Du bist doch nur faul“, „du bist halt müde“ oder „nach Regen kommt Sonne, das geht schon vorbei“. Solche Sätze haben mich klein und hilflos gemacht, weil ich mich nicht ernst genommen fühlte. Vor allem am Anfang war das schwer, weil diese Aussagen auch in meinem Freundes- und Familienkreis fielen. Erst mit der Zeit hat sich das verändert, als mehr Menschen verstanden haben, dass es sich um eine ernsthafte Krankheit handelt. Heute weiß ich: Es gibt eigentlich keinen Mythos, den man nicht schon einmal gehört hat. Und genau deshalb ist es mir wichtig, darüber zu sprechen – denn solche Aussagen sind schlicht falsch und machen Betroffene noch kleiner, als sie sich ohnehin schon fühlen.


Mythos 1: „Das ist doch nur schlechte Laune, die geht schon wieder weg.“Realität: Eine Depression ist keine Phase schlechter Laune, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten kann. Schlechte Laune verschwindet von selbst, eine Depression braucht professionelle Behandlung und Unterstützung.


Mythos 2: „Antidepressiva machen dich abhängig oder verändern deine Persönlichkeit.“Realität: Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie können dabei helfen, ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn auszugleichen und damit Symptome zu lindern. Sie verändern nicht die Persönlichkeit, sondern unterstützen den Alltag, wenn die Krankheit zu schwer wird, um ihn allein zu bewältigen.


Mythos 3: „Depressionen haben nur Menschen, die ein schweres Schicksal erlebt haben.“Realität: Depression kann jeden treffen – unabhängig von Biografie, sozialem Status oder äußerlich scheinbar „glücklichem“ Leben. Sie entsteht nicht nur durch Schicksalsschläge, sondern oft durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.


Mythos 4: „Wenn du dich nur zusammenreißt, geht das weg.“Realität: Sich „zusammenzureißen“ hilft bei Depressionen nicht. Im Gegenteil: Dieser Druck verschlimmert die Situation oft noch. Depression ist keine Willensfrage, sondern eine Erkrankung, die ernst genommen und behandelt werden muss.


Mythos 5: „Therapie bringt sowieso nichts – das ist nur Geldmacherei.“Realität: Psychotherapie ist wissenschaftlich belegt eine wirksame Behandlungsmethode bei Depressionen. Viele Betroffene berichten von deutlicher Verbesserung ihrer Lebensqualität durch Therapie, Medikamente oder eine Kombination aus beidem. Geldmacherei ist dieser Vorwurf nicht – sondern ein gefährliches Vorurteil, das Menschen von Hilfe abhält.


Mythen über Depressionen sind nicht harmlos – sie können großen Schaden anrichten. Wenn Betroffene hören, dass ihre Krankheit nur „schlechte Laune“ sei oder sie sich „zusammenreißen“ müssten, fühlen sie sich nicht ernst genommen. Genau das habe ich selbst erlebt: Diese Aussagen haben mich klein gemacht und mir das Gefühl gegeben, hilflos und falsch zu sein.Solche Mythen halten Menschen davon ab, Hilfe zu suchen. Sie schüren Scham und Selbstzweifel und führen dazu, dass viele viel zu lange still leiden, statt über ihre Situation zu sprechen. Auch gesellschaftlich richten diese Vorurteile Schaden an: Sie sorgen für Stigmatisierung und dafür, dass psychische Erkrankungen weniger offen thematisiert werden.

Die Realität ist: Depression ist behandelbar. Sie reduziert einen Menschen nicht auf seine Krankheit, sondern ist ein Teil, mit dem man lernen kann umzugehen. Therapie, Medikamente, Klinikaufenthalte, Selbsthilfegruppen – all das sind Wege, die vielen Betroffenen helfen können, wieder Stabilität zu finden.Auch ich habe erlebt, dass Fortschritte möglich sind. Gespräche mit meiner Frau, Unterstützung durch Ärzt*innen und Therapeut*innen und die kleinen Schritte im Alltag haben mir gezeigt, dass Veränderung funktioniert. Hoffnung und Genesung sind real – auch wenn es Zeit, Geduld und Rückhalt braucht.

Je mehr wir über Depression sprechen und Vorurteile abbauen, desto leichter wird es für Betroffene, Hilfe anzunehmen. Aufklärung und Akzeptanz verändern den Umgang mit dieser Krankheit – nicht nur für Einzelne, sondern für uns alle.Mythen über Depression sind weit verbreitet – doch sie zeichnen ein falsches Bild dieser Erkrankung. In Wahrheit ist Depression keine Frage von Willenskraft oder Charakter, sondern eine ernsthafte Krankheit, die behandelt werden kann. Therapie und Medikamente sind keine Schwäche, sondern wirksame Wege, um das Leben Schritt für Schritt zurückzugewinnen.Je offener wir über Depression sprechen, desto mehr Verständnis und Unterstützung können wir schaffen. Jeder abgebauter Mythos bedeutet ein Stück weniger Scham und ein Stück mehr Raum für Hoffnung.


Welche Mythen über Depression hast du selbst schon gehört? Schreib mir dazu gerne unter meinem aktuellen Post auf Instagram oder Facebook. Deine Gedanken helfen, Missverständnisse abzubauen und mehr Verständnis für dieses Thema zu schaffen. Gemeinsam können wir Vorurteile Schritt für Schritt kleiner machen.


 
 
 

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