#003 - Gefangen im Kopf
- Fabian Kasper
- 14. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Sept. 2025

Für mich wurden Angststörungen besonders greifbar, als ich merkte, dass ich schon vor normalen Alltagssituationen Angst hatte: Arztbesuche, einkaufen gehen, arbeiten gehen. Teilweise war es so schlimm, dass es anfing, sobald ich nur mein Zimmer verließ, um mir etwas zu essen zu holen. Immer dann, wenn ich wusste, ich muss das Haus verlassen und habe einen Termin, den ich nicht abbrechen kann, brach die Angst über mich herein.
Die Folgen waren Panikattacken, Erbrechen, Schwitzen und Weinen. Innerlich fühlte ich mich gestresst, als wäre alles einfach zu viel. Am meisten gefordert hat mich in dieser Zeit meine Frau, die mich nie losgelassen hat und die Geduld aufbrachte, Dinge in meinem Tempo mit mir anzugehen.Lange habe ich gar nicht verstanden, dass ich unter einer Angststörung leide. Erst als meine Therapeutin es einmal klar benannte, hat es bei mir Klick gemacht. Sie und meine Frau haben mir geholfen, das Ganze richtig einzuordnen. Früher hätte ich meine Angst sicher dramatisch beschrieben – Angst vor allem.
Heute weiß ich, dass Angststörung und Panikstörung oft verwechselt werden. Sie treten zwar häufig zusammen auf, sind aber dennoch unterschiedliche Krankheitsbilder. Ich glaube, dass neurodivergente Menschen generell in einem anderen Verhältnis zu Angst stehen, weil sie vieles intensiver erleben.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie äußern sich nicht durch die „normale“ Angst, die wir alle kennen – etwa vor einem wichtigen Termin oder einer Prüfung –, sondern durch übersteigerte, dauerhafte und oft unbegründete Ängste. Typische Symptome sind Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Atemnot, innere Unruhe oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Manchmal kommen Panikattacken hinzu. Angststörungen können in verschiedenen Formen auftreten: generalisierte Angststörung, soziale Phobie, spezifische Phobien oder Panikstörung. Allen gemeinsam ist, dass sie das Leben massiv einschränken können. Ursachen sind vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über belastende Erfahrungen bis hin zu Stress und Überlastung.Heute weiß ich, dass meine Ängste meist unbegründet waren.
Es ging oft um Dinge, über die man sich eigentlich keine Sorgen machen muss – mein Kopf aber wollte genau das. Ich habe gelernt, gewisse Dinge nicht mehr kontrollieren zu wollen, und das hat viel Druck genommen. Trotzdem merke ich, dass mein Körper eine Art Eingewöhnungszeit braucht, wenn ich an neuen Orten bin. Ich habe über fünf Jahre an mir gearbeitet, durch viel Therapie und Selbstreflexion. Rückblickend empfinde ich gemischte Gefühle: Freude darüber, dass ich die schlimmste Zeit hinter mir gelassen habe, aber auch ein Rest von Nachdenklichkeit, weil die Angst mich lange begleitet hat.Die Auswirkungen waren enorm. Teilweise habe ich mein Zimmer tagelang nicht verlassen. Ich habe mich eingesperrt, keine Hobbys mehr gehabt, mich nicht mit Freunden getroffen und war lange krankgeschrieben. Auch Familienfeiern habe ich gemieden.
Meine Frau hat all das mitgetragen und mich unterstützt, auch wenn wir dadurch viel Zeit verloren haben. Heute habe ich meine Ängste weitgehend unter Kontrolle – ich brauche in neuen Situationen manchmal eine kurze Anpassungsphase, aber das ist in Ordnung.Geholfen hat mir in erster Linie die Therapie. Medikamente waren für mich nicht der richtige Weg, hier musste ich mit therapeutischer Unterstützung an mir selbst arbeiten. Wichtig war, kleine Schritte zu gehen: auch wenn ich scheiterte, habe ich es beim nächsten Mal wieder versucht – notfalls eine Stufe kleiner. Genau diese Babysteps haben den Unterschied gemacht. Meine Frau war auch hier die größte Stütze.Heute sehe ich es so: Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Angst ist ein Konstrukt unseres Körpers – und nur wir entscheiden, wie stark sie wird. Ich habe gelernt, sie nicht die Überhand gewinnen zu lassen. Natürlich gibt es noch Situationen, in denen ich Angst verspüre oder nervös bin, aber das ist in Ordnung.
Es geht darum, sich nicht dauerhaft einschränken zu lassen. Gesellschaftlich wünsche ich mir, dass mehr auf äußere Reize geachtet wird: Angst geht oft mit Übersensibilität einher, und laute, grelle Umgebungen können das verstärken.Meine wichtigste Botschaft ist: Angst kann besiegt werden.Deine Gedanken sind wichtig.
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